Donnerstag, 9. September 2010

IFArnal noise.


Nach gefühlten acht Kilometer Fußweg, einem brummenden, von Elektrosmok gebeutelten Kopf und der notwendigen Ruhe, um eingefangene Impressionen zu verdauen, ist es Zeit, die Eindrücke der Internationalen  Funkausstellung (IFA) in Berlin kurz zusammenzufassen.Dieses Jahr feiert die IFA ihr 50. jähriges Bestehen. Ein Jubiläum, das mit selbstlobend zahlreichen Höhepunkten Besucherscharen zum Messegelände locken soll.
Doch was verspricht die Ausstellung?
Die IFA präsentiert neue Technologien aus den Bereichen Kommunikation, Haushalt und Unterhaltung. Drei Trends fallen hier auf: iPad Pendants, eBooks und – die Zukunft des Unterhaltungshimmels – 3D Fernsehen. Gerade letzterer Trend zielt laut Hersteller darauf ab, das angebliche Bedürfnis der Menschen nach einem authentischen, „barrierefreien“ Fernsehvergnügen zu befriedigen. Hersteller wie LG, Panasonic oder Sony bieten Bildschirme über Bildschirme („die dünnsten ihrer Art“) und werben mit 3D-Vorstellungen, die das neuartige Fernseherlebnis an den Mann bringen.
Wander man durch das Messegelände fällt auf: Die Aktivität des Besuchers ist gefragt. Hier die Brille auf die Nase, da den Controller in die Hand. Selbsterleben ist entscheidend. Auch für das Kaufverhalten der zahlreichen potenziellen Kunden, die über die Teppiche der Hallen schlendern. Und diese mögen vor allem eines: Werbegeschenke. Junge wie alte Besucher hantieren mit Tüten voller unnützer Geschenke. Getreu dem Motto: „Et is doch umsonst.“  Rudel – und Massenagieren der Menschen par excellence in drei Stufen: Sichten, Analysieren, Agieren. Ein Prozess des Gebens und Nehmens – wobei sich der Besucher fragen sollte, wer mehr vom gegenseitigen Austausch profitiert.
Kann man den typischen Besucher der IFA charakterisieren? Nein. Dank Branchenausweitung bietet die IFA für jeden ein Häppchen Info. Auch das oftmals aufkommende Klischee, ältere Menschen sind in punkto neue Medien nicht auf dem neuesten Stand, findet keinen Rückhalt.
Ob jung oder alt – mit einem Problem haben jedoch nahezu alle Besucher beim Rundgang zu kämpfen: Steht die Ausstellung für die Präsentation unzähliger Neuheiten aus der Kommunikationbranche, so gestaltet sich der kommunikative Austausch zwischen Publikum und Anbieter als schwierig. Hersteller werben mit Slogans aus der trickreichen Englischkiste. International soll also es nicht nur heißen, sondern auch klingen. Und doch: Das Fachjargon, mit dem die Besucher durch die Mehrheit der Aussteller konfrontiert werden, löst bei nicht wenigen fragende Blicke aus. Es scheint ganz so,  als hätte die Sloganwerkstatt Schiffsbruch erlitten.
Und dennoch: Die IFA kombiniert wortgenau Unterhaltung mit Information. Dass sie von Europa und nicht von Euros spricht, hat Sinn. Und das ist wohl auch gut so, denn ansonsten wären die Hallen wohl um einiges leerer.

Donnerstag, 2. September 2010

Weltengefilde.

An manchen Tagen hat man das Gefühl, die Welt dreht sich irrsinnig schnell. An anderen wiederum meint man, die Zeit ziehe sich wie eine klebrige Masse auseinander.  Und an manchen Tagen wundert man sich zuweilen darüber, wie schnell das  Zeitgefühl aus dem Ruder gebracht wird.
Es hätte eine relativ ruhige Sommerpause für die SPD werden können. Umfragewerte bezeugen steigende Beliebtheit, die FDP verheddert Arme und Beine im eigenen Personenkarussell, und während sich die Kanzlerin als dogmatisch handelnde Sorgenfalte durch die Atomlobby räkelt, hätte die SPD mit Fahrtwind im Rücken konstruktiv von ihrer Oppositionshaltung ausgehend agieren können. Doch in Zeiten schonungsloser  ParteiKonsolidierung, gibt es immer wieder den ein oder anderen, der abseits der Politiktrasse für Aufruhr sorgt und an den Wurzeln der eigenen Riege wackelt.
Dieses Mal ist die Rede von Thilo Sarrazin. Waren es vor einigen Monaten Kommentare zur Integrationsdebatte, mit denen Sarrazin sich ins politische Abseits verfrachtete, so lockt er auch dieses Mal mit weit geöffnetem Mund. Und die Rabenschar Medien folgt. Sarrazin spricht aus, was viele unmittelbar als rassistische und diffamierende Äußerungen einordnen würden. Er redet vom gemeinsamen Gen der Juden, wirft spitze Thesen in den Raum über Migranten und Behinderungen und stochert eloquent im Stile der Jurisprudenz dort weiter, wo nicht mehr zu erkennen ist, ob seine  Ansichten mit sozialdemokratischen Werten vereinbar sind.
Wie schaut es  innerhalb der Partei aus? Kraft kommentiert auf hölzernem Posten, Gabriel legt, sichtlich genervt über Wiederholungstäter Sarrazin und dem Parteiklamauk, einen Parteiaustritt nahe, und Steinmeier – der sagt nichts. Bild dankt.
Auch unter Grünen und Linken häufen sich Kommentare, die einen Parteiausschluss Sarrazins befürworten: Künast beurteilte Sarrazins Verhalten als „dreist“; aus Ecken der Linken heiße es, dass Sarrazin untragbar für das Amt sei.  Fest steht: In der Opposition herrscht Geschlossenheit. Eine Geschlossenheit, die entsteht, wenn der eigene Finger in fremde Wunden drückt und die eigenen zuweilen außer Acht gelassen werden. Wie die SPD handeln wird, bleibt abzuwarten.
Zu hoffen ist allerdings, dass sie nicht den Erwartungen der Medien nachgibt. Und dass sie sich an die eigene Nase packt. Denn gewichtige Entscheidungen zur Integrations –und Einwanderungspolitik fielen in die Ära Rot-Grün. 
Es liegt also an der Parteispitze, das Zeitrad langsamer zu drehen und über eigene Fehler nachzudenken. 
Doch wie heißt es so schön: Die Welt ist eine Bühne und wir alle nur Schauspieler.

Donnerstag, 6. Mai 2010

sommerallee.

du lädst 
mich ein
in deine
klangspielschule
eines abends 
im herbst.
nur noch
vodkaverkehr
faselst du leise
in den 
leuchtturm
unseres glücks.
geheim
mein eichtalpark
unterm bett.

und nur ich
satz spiel zwei
hörte sie
tönen.

tagelang.